Monday, 14 January 2013

Warum die Hyperinflation vor der Tür steht / Größtes Sparprogramm der deutschen Nachkriegsgeschichte für nach der Wahl geplant?



Warum die Hyperinflation vor der Tür steht 
Zukünftige Ökonomen werden die heutige Zentralbankpolitik als klares Beispiel dafür studieren,
daß rechte Austerität und linkes Gelddrucken zwei Seiten derselben Medaille sind. Beides läuft darauf hinaus, die Menschen zu opfern, um die Banken zu retten. Tatsächlich drängen die   Zentralbanken auf rücksichtlose Kürzungen in den Staatshaushalten, die eine Deflationsspirale bewirken, und schaffen gleichzeitig neues Geld und neue Schulden, um bankrotte Banken zu retten. Wieder einmal erkennen die Ökonomen die Gefahr nicht, so wie sie auch die  Weltfinanzkrise nicht vorhersehen konnten. Auf der einen Seite warnen Ökonomen der Österreichischen Schule vor der Gefahr der Hyperinflation, fordern aber andererseits eine noch härtere Austerität; und einerseits lehnen die Keynesianer soziale Einschnitte ab, fordern aber andererseits eine Ausweitung der Geldmenge und verschließen die Augen vor der Inflationsgefahr.


Dennoch ist offensichtlich, daß die neue Gelddruckmaschinerie, die die FED, die EZB und die Bank von England für 2013 eingerichtet haben, uns näher an den hyperinflationären Ausbruch bringt.  Das Problem dabei ist, daß dies erst offen sichtbar wird, wenn die Inflation ausbricht - und dann ist es zu spät. Selbst der frühere EZB-Chef Jean-Claude Trichet warnte am 21. Dezember in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC, die Zentralbankbilanzen aller westlicher Länder seien mit mehr als 12 % des BIP völlig anormal [an der Spitze die Bank von England mit 25 %]. Damit gab Trichet etwas zu, was er als EZB-Chef mindestens zweimal öffentlich dementiert hatte: erst im Januar 2011 in seiner Antwort auf eine Frage von EIR und dann im September 2011 mit seiner berüchtigten Schimpftirade nach einer Frage der Börsen-Zeitung. Beide Male leugnete er heftig, daß die EZB durch ihre Bilanzausweitung zur Bad Bank werde. Man betrachte nur das Vorgehen der FED unter Ben Bernanke. Sie kauft derzeit den Banken jeden Monat 40 Mrd.$ an US-Staatsanleihen ab und verkauft keine kurzfristigen Staatsanleihen mehr in Höhe von 45 Mrd.$ pro Monat, wodurch  netto 85 Mrd.$ im Monat für die Banken bereitstehen. Das ergibt auf 2013 hochgerechnet 1,02 Bio.$, die die FED in die großen Geldinstitute hineinpumpt. Für Europa wird damit gerechnet, daß die EZB bald wieder mit der Schuldenmonetarisierung durch den Kauf von Papieren der Banken beginnt; gleichzeitig wird der ESM anfangen, den Banken direkt Geld zu geben. Vor diesem Hintergrund ist es höchst unverantwortlich, die Gefahr der Hyperinflation leichtfertig abzutun, wie es z.B. der Ökonom Paul Krugman im Dezember tat. Die Hyperinflation wird jetzt zuerst wieder bei den Wertpapieren geschürt und es ist nur eine Frage der Zeit, bevor sie explosionsartig auf Waren- und Verbraucherpreise übergreift. So schrieb Stefan Balling in der Börsen-Zeitung vom 29. 12. einen Beitrag mit der Überschrift: Die Geldpolitik schafft die Gefahr einer Hyperinflation. Wenn die Banken die von der EZB selbst geschaffene gewaltige Liquidität bei den Euro-Zentralbanken parken, könne dieses hyperinflationäre Potential jederzeit im Wirtschaftskreislauf entfesselt werden. Trotzdem sieht auch Balling kurzfristig keinen Grund für Inflationsangst, weil die Sparpolitik in Südeuropa dem entgegenwirke. In Wirklichkeit verlieren aber die Staaten durch die sogenannten Reformen in Südeuropa [und bald auch Mitteleuropa] die Fähigkeit, die  Geldvermehrung durch ihre Staatseinnahmen zu stützen. Eher als gedacht werden sie sich wie Deutschland 1923 auf reines Gelddrucken verlegen, um die laufenden Ausgaben zu decken.  [1]  

Auch für Deutschland ist Austerität geplant   

Der Bevölkerung im Süden Europas wird gesagt, die barbarische Sparpolitik würde ihnen von den » «häßlichen Deutschen“ aufgezwungen, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Politik des»ausgeglichenen Haushalts« und die mörderischen Kürzungen in lebenswichtigen Sozialprogrammenwurden von der EU-Bürokratie ausgearbeitet, wahrscheinlich mit Hilfe von Giganten wie Goldman Sachs oder prominenten Anwaltskanzleien, die bekanntermaßen Gesetzestexte für Regierungen, auch in Berlin, formuliert haben. 
Nun wird nach Griechenland, Spanien, Portugal und Italien auch für die Deutschen eine brutale Kürzungspolitik vorbereitet, ein entsprechender, bisher noch geheimer Plan kommt von Experten im Finanzministerium unter Wolfgang Schäuble. Genauso wie die von der EU-Kommission erzwungenen massiven Kürzungen die Schuldenlage der betroffenen Länder - Irland wäre hinzuzufügen - nicht verbessert haben, so werden sie auch in Deutschland nichts nutzen. Nur die großen Banken werden auf Kosten der Bevölkerung - und einer Hyperinflation - noch eine Weile länger aufrechterhalten. Öffentlich erklärte Schäuble am 27. 12. großspurig, in der Eurokrise sei das Schlimmste vorüber. Offensichtlich ist dies schon Teil der Propaganda für die Bundestagswahl im September. Doch hinter den Kulissen bereiten seine Mitarbeiter laut Berichten verschiedener etablierter Medien für die Zeit nach der Wahl gleichzeitig das größte Sparprogramm der deutschen Nachkriegsgeschichte vor. Der Entwurf für die mittelfristige Finanzplanung der Bundesregierung beinhaltet massive Einschnitte im Umfang von zig Milliarden Euro bei Subventionen, Renten und Sozialleistungen sowie Steuererhöhungen. Unter anderem soll der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel von 7 % auf den Standardsatz von 19 % erhöht werden. Davon wäre besonders der ärmere Teil der Bevölkerung betroffen, die Einnahmen daraus würden 23 Milliarden € jährlich betragen. Die Experten schlagen weiter vor, den Regierungsbeitrag zum Gesundheitsfonds, mit dem die Krankenversicherungsbeiträge stabil gehalten werden, um 10 Mrd. € zu senken. Da die Krankenkassen in Zukunft mehr Geld benötigen werden, ist auch an einen Zusatz zur Einkommenssteuer, an einenGesundheits-Soli gedacht. Die Renten sollen gekürzt werden, gleichzeitig sollen die Deutschen auch länger arbeiten, indem das Rentenalter an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt wird, d.h. je höher die Lebenserwartung, desto höher das Rentenalter. Und um von der Frührente abzuschrecken, soll die Rente bei früherem Beginn für jedes Jahr um 6,7 % gekürzt werden. [Dabei wird das eigentliche Problem, nämlich der Mangel an Arbeitsplätzen, natürlich ignoriert.] Auch Witwen- und Waisenrenten sollen deutlich sinken.

Hinzu sollen drastische Einschnitte bei Sozialleistungen kommen, angeblich zur Erfüllung derSchuldenbremse, die der Regierung ab 2016 einen annähernd ausgeglichenen Haushalt vorschreibt. Der wahre Grund ist jedoch, daß die immensen Verluste durch die milliardenschwere Euro- und Bankenrettung ausgeglichen werden sollen. Dazu gehören die Folgen eines neuen Schuldenschnitts für Griechenland. Die EZB und die EU-Regierungen sind inzwischen die größten Inhaber griechischer Staatsanleihen, die sie entweder den privaten Banken und Fonds abgekauft oder als Sicherheit für Rettungspakete angenommen haben. So haben die Finanzinstitute ihre Schulden den Regierungen aufgeladen, und diese wollen sich das Geld nun von den Steuerzahlern holen.  [EIR]  

Wird Frankreich 2013 zum Problemland der Eurozone? Deutschland ist am ESM, der den Euro retten soll, mit 27,1464 % dabei, Frankreich mit 20,3859 % (und Italien mit 17,9131 %). Daß sie mit eigenem Geld für den Euto mithaften, haben die Franzosen noch nicht verinnerlicht. Kippt Frankreich, ist der Euro am Ende. Denn dann wäre auch Deutschland finanziell überfordert. Ende November bezifferte der Bund der Steuerzahler den letzten Stand der deutschen Haftung für die Euro-Rettung auf 509 Milliarden Euro, verglichen mit einem Bundeshaushalt 2013 in Höhe von 302 Milllarden. Und dabei sind die potentiellen Verluste der Bundesbank aus dem Target-System noch nicht einmal berücksichtig. [3]    

[1]  Strategic Alert, Jahrgang 26,  Nr. 2  vom  9. Januar 2013
[2]  Neue Solidarität Nr. 1/2 vom 9. 1. 2013
[3]  Quelle: Dr. Bruno Bandulet - DeutschlandBrief vom Januar / Februar 2013



Quelle des Artikelspolitonline.ch (13.01.2013)

2 comments:

  1. "Die Kaufkraft des Geldes nimmt ab, das Geld entwertet sich, die Waren werden teurer, die Preise steigen (Inflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge vergrößert wird, und wenn das Geld schneller umläuft. Umgekehrt: Die Kaufkraft des Geldes nimmt zu, das Geld wird "besser", die Waren werden billiger, die Preise fallen (Deflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge verkleinert wird, und wenn das Geld langsamer umläuft.
    Kann man aber durch Vermehrung oder Verminderung der umlaufenden Geldmenge die Kaufkraft des Geldes senken oder heben, so muss es auch möglich sein, durch planmäßige Verwaltung des Geldes seine Kaufkraft zu festigen, den Durchschnitt der Warenpreise (den Index) auf gleicher Höhe zu halten (Indexwährung), - vorausgesetzt, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes geregelt ist!
    Gerade an dieser zuletzt genannten Voraussetzung hapert es aber beim Dauergeld (Zinsgeld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion). Nehmen wir an, das einzurichtende staatliche Währungsamt, dem die Aufrechterhaltung der Indexwährung obliegt, stellt fest, dass der Index Neigung hat zu steigen. Es wird daher Geld aus dem Verkehr ziehen und umgekehrt, wenn der Index Neigung zeigt zu sinken, wird es zusätzlich Geld in den Verkehr geben. Diese Maßnahmen werden solange wirksam sein, als das Lockmittel des Zinses hoch genug ist, um das Geld umlaufen zu lassen. Sinkt aber bei Vollbetrieb der Wirtschaft die Rentabilität, so wird das Geld immer zögernder investiert werden. Die Geldbesitzer können dieses Geld, das ja keinen Zins mehr bringt, ohne Schaden aus dem Verkehr ziehen, aufhäufen (auf Girokonten liquide halten), unregelmäßig auf den Markt werfen und dadurch die Festwährung stören, woran sie schon deshalb ein Interesse haben, weil sie der Konjunkturschwankungen zur Erlangung der Differenzgewinne (Spekulationsgewinne) bedürfen."

    Otto Valentin (Warum alle bisherige Politik versagen musste, 1949)

    Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Zusammenbruch einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) erfolgt nach dem Schema: Liquiditätsfalle > Deflation > Hyperinflation. Weil die Zentralbank keinen Einfluss auf die Umlaufgeschwindigkeit (effektive Umlauffrequenz) des Zentralbankgeldes hat, kann sie immer nur Währungspfusch betreiben und durch Geldmengenausweitung die Liquiditätsfalle (kollektiver Rückzug der Ersparnisse aus der langfristigen Anlage) hinauszögern, auf Kosten einer Verkürzung der Zeitspanne von der einsetzenden Deflation bis zur anschließenden Hyperinflation, bei der alle auf Geld lautenden Forderungen vernichtet werden.

    Damit das Geld unter allen Umständen umläuft und die Zentralbank überhaupt die Möglichkeit hat, den Geldwert … stabil zu halten, müssen die destruktiven Umlauf"sicherungen" Urzins und schleichende Inflation durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung ersetzt werden:

    Geld – wie es (noch) ist und wie es sein soll

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  2. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich jüngst mit demselben Thema beschäftig. Es stellte sich mir die Frage ob eine hohe Inflation (Hyperinflation) oder eine Deflation schlimmer ist. Betrachtet man die Inflation, so wird man schnell feststellen, dass ein gewisses Maß für die Wirtschaft gesund ist. Steigt diese jedoch über eine gewisse Höhe (Hyperinflation) so ist sie immens bedrohlich. In einer gesunden Wirtschaft wird es immer Konjunkturzyklen geben. Je nach Zyklus herrscht entweder eine Inflation oder Deflation vor. Erst der Eingriff seitens der Staaten / Zentralbanken mithilfe der Geldpolitik führt zum ausufern beider Seiten. Die Ursache für eine hohe Inflation (Hyperinflation) wird immer in der Geldpolitik gelegt. Eine normale und gesunde Deflationsphase (Wirtschaftsabschwung) wird in der Regel nicht zugelassen. Die Zentralbanken versuchen diese Phase mit der Geldpolitik zu umgehen. Die daraus resultierende expansive Geldpolitik stellt die Grundlage für eine Hyperinflation dar. Einer sehr hohen Inflationsphase geht somit meist eine Deflationsphase voraus, auch wenn diese durch die expansive Geldpolitik oftmals nicht zu sehen ist. Ob eine jetzt Deflationsphase oder eine hohe Inflationsphase schlimmer ist, kann meiner Meinung nicht eindeutig beantwortet werden. Bei einer Hyperinflation kann ein Neustart (in der Regel ein Währungsneustart) schneller vonstattengehen. Die Auswirkungen finden hierbei in einem sehr kurzen Zeitfenster statt. Das Endergebnis einer Deflation ist meist nichts anderes ... jedoch wird der Crash in der Regel nach hinten verschoben …

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